SUCHE ![]() ![]() ![]() 10.07.2008 Die T3N-Gründer im InterviewSeit nunmehr drei Jahren veröffentlichen Martin Herr (MH), Jan Christe (JC) und Andreas Lenz (AL) das T3N-Magazin. Das Konzept ist auf die Open Source-Szene ausgerichtet und einige Zeitschriftenverlage beobachten diese Entwicklung bereits intensiv, denn das Magazin ist ein Erfolg. In diesem Blogpost wird ein Interview veröffentlicht, das per E-Mail geführt wurde.Wenn ihr das T3N mit den Erfahrungen von heute nochmal gründen würdet, welche drei Dinge würdet ihr anders machen? (MH) Objektiv betrachtet haben wir gar nicht so viel falsch gemacht. :) Die Idee hinter dem T3N Magazin basierte von Anfang an auf dem Open-Source-Community-Gedanken und war damit stets auf unsere zukünftigen Leser und Autoren ausgerichtet. Unsere eigenentwickelte Cross-Media-Software ermöglicht uns einen kosteneffizienten Produktionsprozess und die langsame, aber kontinuierliche Öffnung unserer Themenbereiche erweiterte die Leserschaft und erhöhte die für Anzeigenkunden wichtige Reichweite. Heute haben wir eine Auflage von 20.000 T3N Magazinen/Quartal und wachsen stetig, wenn auch nicht exponentiell. Trotzdem mal drei Punkte, die wir anders hätten machen können: 1) Zur besseren Vernetzung in der Blogosphäre von Anfang an Wordpress statt TYPO3 (tt_news oder timtab) als Blog- und Newssystem einsetzen. Stichworte hier sind Trackback, Pingback und Kommentarfunktion. 2) Einen Betriebswirtschaftler mit in die Produkt- und Unternehmensentwicklung einbinden. 3) Auch mal Produkte entwickeln, die eine höhere Zielgruppe und niedrigere Produktionskosten haben - z.B. einen E-Mail-Newsletter für Hausfrauen. ;) Gab es Situationen in denen ihr erwogen habt aufzuhören? Wenn ja, was hat Euch doch bewogen weiter zu machen? (MH) Da kann ich nur mit einem klaren "Nein" antworten. Auf gewisse Art und Weise sind wir durch unsere verschiedenen Fähigkeiten das geborene Gründerteam. Klar haben wir öfter darüber nachgedacht, wie viel mehr man als Einzelperson am Ende des Monats auf dem Konto haben könnte, aber eine eigene Firma zu führen und sein eigener Chef zu sein, hat einfach seinen ganz eigenen Reiz. Wir veranstalten zum Beispiel jedes Quartal ein sogenanntes DevCamp, bei dem wir uns eine Woche lang irgendwo in einer Ferienhütte einschließen und über unsere Firmenstrategie nachdenken oder in einem Sprint neue Produkte implementieren - alles Dinge, die als Angestellter in einer festen Konzernstruktur undenkbar wären. Was bedeutet die Open Source-"Community" für Eure Publikationen? Ist das eine Zielgruppe, oder eher ein Nährboden? (JC) Sowohl als auch. Zum einen versuchen wir die Autoren unserer Artikel direkt in der Community zu finden, da wir der Meinung sind, dass diese Experten einen viel tieferen Einblick in ihren jeweiligen Themenbereich haben als wir es als Redaktion je haben können. Unsere Aufgabe sehen wir dann darin, die Artikel so zu überarbeiten, dass man sie einer breiten Öffentlichkeit präsentieren kann. Ich bin fest davon überzeugt, dass dieses Konzept bei den Lesern, größtenteils ebenfalls Teil der Community, gut ankommt und geschätzt wird. Welche Möglichkeiten habt ihr dadurch, dass ihr kein Zeitschriftenverlag seid? (AL) Im Grunde sind wir ja ein Zeitschriftenverlag mit starker Onlineausprägung. Wir sehen uns selbst als technik- und webgetriebenes Medienunternehmen aus dem viele Ideen sprudeln. Die Umsetzung neuer Portale und Produkte steht dabei stärker im Vordergrund als z.B. Auflagensteigerung oder Kaltakquise. Welches sind die drei größten Nachteile die Euch dadurch entstehen, die ihr als limitierend empfindet? (AL) An der Tatsache, dass wir kein klassischer Zeitschriftenverlag sind, kann ich nichts nachteiliges finden. Im Gegenteil: Gerade das macht uns flexibel. Da es stetig und linear vorangeht, sehen wir den sinkenden Einnahmen der Verlags- und Zeitschriftenbranche gelassen entgegen. Wir müssen alles aus eigener Tasche finanzieren, da wir keinem großen Verlagshaus angehören. Glücklicherweise stimmt der Cashflow aber, und wir kommen wie geplant voran. Vertriebskanäle und Ressourcen eines großen Verlegers mitzunutzen, wäre sicher interessant und gut für die Reichweite. Eure Firma yeebase betreibt auch noch zwei Online-Angebote, neben der Website zum Magazin. Welche Wechselwirkung haben online und print bei Euch heute? (JC) Das Social-News-Portal hype!, das wir Anfang des Jahres gelauncht haben, ist aus meiner Sicht super angelaufen und ist zum einen eine gute Ergänzung zum von uns redaktionell bertreuten Newsticker auf t3n.de und zum anderen eine gute Informationsquelle für das T3N Magazin. Ich stolpere bei hype! regelmäßig über spannende Themen, die wir im T3N Magazin und auch im T3N-Newsticker aufgreifen. Das yeebase Blog dient eher dazu, einen Einblick in unseren Arbeitsalltag zu geben und hat keinen direkten Einfluss auf das T3N Magazin, außer vielleicht, dass Autoren und Entwickler so auf uns aufmerksam werden und Lust bekommen, an T3N teilzuhaben. Welche Wechselwirkung erwartet ihr in drei Jahren? (JC) Ich denke, dass wir in den kommenden Jahren die Verzahnung zwischen Online- und Print-Angeboten noch stärker ausbauen werden. Schon jetzt landen beispielsweise Dienstleister-Einträge aus dem Online- Marktplatz auch im T3N Magazin. Aber auch auf redaktioneller Ebene kann ich mir eine stärkere Verzahnung gut vorstellen. Artikel, die direkt von der Community geschrieben oder zumindest vorgeschlagen werden und so im Heft landen, kann ich mir gut vorstellen. Aber auch ein vollständig automatisiertes Magazin mit Inhalten aus dem Web halte ich nicht für unmöglich. Mit der Kooperation mit Robert Basic vom Basic Thinking Blog, einem der meistgelesenen Blogs in Deutschland, verbündet ihr Euch als Zeitschriftenmacher mit einem, der in der Blogosphäre groß geworden ist. Werden das auch die klassischen Printmedien über kurz oder lang tun (müssen), oder ist das ein Einzelfall der mit Eurer Zielgruppe zu tun hat? (JC) Ich denke nicht, dass das ein Einzelfall ist. Auch andere Verlage erkennen so langsam, dass sich in der Blogosphäre viele spannende Themen finden, die auch für Print interessant sind. Die Frage ist, wie man das umsetzt und wie man den richtigen Draht zu den Akteuren aufbaut. Ich denke wir haben es da vielleicht etwas leichter, weil wir noch relativ jung sind, oft auf den relevanten Veranstaltungen vor Ort sind und eine gemeinsame Sprache sprechen. Der Fachzeitschriftenmarkt schrumpft, yeebase und das T3N wachsen. Wo ist die Grenze? (AL) Gute Frage. Die Grenzen hängen sicherlich mit der Themenausrichtung, dem Erfolg kommender Produkte, crossmedialen und viralen Effekten und dem Grad der Automatisierung zusammen. Personell zu skalieren und geeignete Mitarbeiter zu finden, fällt uns extrem schwer. Eine mögliche Internationalisierung streben wir frühestens Ende 2009 an. Da der Markt im Bereich Open Source und Web 2.0 aus unserer Sicht weiter stark wachsen wird und dieser Trend durch diverse Studien gestützt wird, sind wir guter Dinge. Euer Name und Euer Erfolg sind eng mit der Bekanntheit des TYPO3-Projekts verbunden. Wie schätzt ihr dessen Zukunft ein und wie seht ihr Eure Rolle in Bezug auf diese Community. (MH) TYPO3 war immer ein Bestandteil von T3N und wird das auch bleiben. Wir produzieren T3N auf Basis von TYPO3 und betreiben damit auch unsere Website unter http://www.yeebase.com. Das TYPO3-Projekt ist aktuell ganz klar der praxiserprobte Allrounder im Open-Source-CMS-Markt und da wird so schnell auch kein anderes Open-Source-Projekt aufholen. Schwieriger wird da sicher die klare Positionierung der beiden TYPO3-Entwicklungszweige 4.x und 5.x werden. Obwohl TYPO3 5.x sicher der richtige Schritt ist, erleben wir mit dem T3N Magazin, dass schon mit dem 4er-Zweig viele Leute schlicht überfordert sind. Ohne ein solides Kommunikationskonzept seitens der hinter TYPO3 stehenden TYPO3 Association und der Durchführung nötiger Aufräumarbeiten auf typo3.org (Neustrukturierung, Einsteiger-Infos,...) wird sich nur schwer Licht ins Dunkel bringen lassen. Wir sehen unsere Rolle im TYPO3-Projekt mehr als Vermittler: Aus unseren Erfahrungen im Bereich Projektmanagement ist z.B. die TYPO3-Entwickler-Plattform forge.typo3.org entstanden, wir betreiben einen TYPO3-Merchandise-Shop, dessen Erlöse direkt als Spende an die TYPO3 Association fließen, wir engagieren uns im Bereich Pressekommunikation und stellen regelmäßig eine Auswahl an TYPO3-Artikel aus dem T3N in englischer Übersetzung für die typo3.org-Website zur Verfügung. Alles mit dem Ziel, TYPO3 bekannter und für Einsteiger zugänglicher zu machen. Das Interview führte Daniel Hinderink, dpool Erschienen ist der Artikel bei IT-Frontal SPECIAL-INTERST! organisiert von Beginn an den Vertrieb des T3N-Magazins. |